Medizin & Wissenschaft

Multiples Myelom: BLENREP ab 1. Rezidiv

Lesezeit: 3 Minuten

Das Multiple Myelom (MM) gilt als nicht heilbar und ist gekennzeichnet von häufig auftretenden Resistenzen und mit fortschreitendem Therapieverlauf zunehmender Refraktärität auf die eingesetzten Wirkprinzipien.1-4 Demzufolge sollten hochwirksame Therapien, die durch tiefe und lang andauernde Remission das Überleben verlängern, so früh wie möglich im Behandlungsverlauf eingesetzt werden.1,2 Im Rezidiv entscheidet sich die Folgetherapie in Abhängigkeit von den zuvor verabreichten Substanzklassen und dem bisherigen Behandlungsverlauf. BCMA-gerichtete Therapien revolutionieren die Behandlung des MM.5

BLENREP (Belantamab-Mafoditin) ist ein BCMA-gerichtetes Antikörper-Wirksto-Konjugat (ADC), das in seinen Zulassungsstudien sehr gute Überlebensdaten und eine generell gute Verträglichkeit mit handhabbarem Sicherheitsprofil gezeigt hat.6 Zudem ist die Substanz ambulant einsetzbar und Therapieanpassungen ermöglichen ein effektives Nebenwirkungsmanagement bei Erhalt der Wirksamkeit.

BLENREP kann in zwei Triplet-Kombinationen ab dem 1. Rezidiv eingesetzt werden: Belantamab Mafodotin/Bortezomib/Dexamethason (BVd) oder Belantamab Mafodotin/Pomalidomid/Dexamethason (BPd).6,# Basis der Zulassung sind die Studien DREAMM-7 und DREAMM-8, die BVd mit DVd (Daratumumab/Bortezomib/Dexamethason) respektive BPd mit PVd (Pomalidomid/ Bortezomib/Dexamethason) verglichen.7,8

Eingeschlossen waren Patientinnen und Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem (r/r) MM mit mindestens einer Vortherapie, die im Falle der DREAMM-8-Studie auch Lenalidomid inkludierte.

Wesentliche Effektivitätsdaten in der DREAMM-7 (BVd versus DVd):

  • Das mediane progressionsfreie Überleben (mPFS) war mit dem Triplet BVd signifikant verlängert gegenüber DVd mit 36,6 Monaten (95%-Konfidenzintervall [KI]: 28,4 – nicht erreicht [NR]) vs. 13,4 Monaten (95%-KI: 11,1 – 17,5). Die Hazard-Ratio (HR) betrug 0,41 (95%-KI: 0,31 – 0,53; p<0,001).7
  • Das Gesamtüberleben (OS) nach 36 Monaten betrug 74% (95%-KI: 68% – 79%) im BVd Arm vs. 60% (95%-KI: 54% – 66%) im DVd-Arm.9 Die HR des medianen OS (mOS) im Beobachtungszeitraum von 39,4 Monaten lag bei 0,58 (95%-KI: 0,43 – 0,79; p=0,00023). In einer Post-hoc-Analyse wurde das mediane OS (mOS) projiziert auf 84 Monate vs. 51 Monate (BVd vs. DVd).9

Wichtigste Wirksamkeitsendpunkte der DREAMM-8-Studie (BPd versus PVd):

  • BPd hatte im mPFS einen klinisch bedeutsamen Vorteil gegenüber PVd: Nach einem medianen Follow-up von 28,01 Monaten betrug es 32,6 Monate (95%-KI: 21,1 – NR) vs. 12,5 Monaten (95%-KI: 9,1 – 17,6). Die HR lag bei 0,49 (95%-KI: 0,35 – 0,68).10
  • Im OS konnte ein früher positiver Trend beobachtet werden, die Daten sind aber noch unreif.8

Das Auftreten unerwünschter Ereignisse (UE) unter BLENREP war gemäß der expositionsadjustierten Daten zum Nebenwirkungsprofil in beiden Studien in beiden Behandlungsarmen vergleichbar.6,7,8 Die häufigsten UE unter BVd und BPd waren Hornhautveränderungen. Augenbezogene Nebenwirkungen sind in der Regel mit adäquaten Dosisanpassungen und Intervallverlängerungen handhabbar und reversibel, da sich die Hornhaut fortwährend regeneriert. Gleichzeitig bleibt die Wirksamkeit dabei in der Regel erhalten, wie eine Post-hoc-Analyse bestätigte.11

Fazit: Beide BLENREP-Triplets sind für MM-Patientinnen und -Patienten im ersten Rezidiv hochwirksame Optionen.7,8 In der klinischen Versorgungspraxis ist BLENREP breit zugänglich und einfach anwendbar mit einer 30-minütigen Infusion ohne Prämedikation und ohne nachfolgende Überwachung.6

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# Blenrep ist bei Erwachsenen zur Behandlung von rezidiviertem oder refraktärem Multiplen Myelom indiziert: in Kombination mit Bortezomib und Dexamethason bei Patientinnen und Patienten, die bereits mindestens eine Therapie erhalten haben; und in Kombination mit Pomalidomid und Dexamethason bei Patientinnen und Patienten, die bereits mindestens eine Therapie, darunter Lenalidomid, erhalten haben.6

BLENREP Fachinformation
BLENREP Pflichtangaben

 

[1] S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge für Patienten mit monoklonaler Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS) oder Multiplem Myelom. Stand: Februar 2022
[2] Onkopedia-Leitlinie der DGHO: Multiples Myelom. Stand: Oktober 2024.
[3] Yang P, et al.: Pathogenesis and treatment of multiple myeloma. MedComm (2020). 2022;3(2):e146.
[4] Bird SA, Boyd K.: Multiple myeloma: an overview of management. Palliat Care Soc Pract. 2019;13:1178224219868235.
[5] Chan CH et al.: Targeting BCMA in multiple myeloma: A comprehensive review of immunotherapeutic strategies and clinical outcomes. Mol Ther Oncol. 2025;33(4):201044.
[6] BLENREP Fachinformation, aktueller Stand
[7] Hungria V, et al.: Belantamab Mafodotin, Bortezomib, and Dexamethasone for Multiple Myeloma. N Engl J Med. 2024;391(5):393-407.
[8] Dimopoulos MA, et al.: Belantamab Mafodotin, Pomalidomide, and Dexamethasone in Multiple Myeloma. N Engl J Med. 2024;391(5):408-421.
[9] Hungria V, et al. Belantamab mafodotin plus bortezomib and dexamethasone in patients with relapsed or refractory multiple myeloma (DREAMM-7): updated overall survival analysis from a global, randomised, open-label, phase 3 trial. Lancet Oncol. 2025;26(8):1067-1080.
[10] Dimopoulos MA et al. EHA 2025, Abstract PF728
[11] Hájek R, et al. EHA 2025, Abstract PS1734
[12] Hungria V, et al. N Engl J Med. 2024;391(5):393–407.

PM-DE-BLM-WCNT-260018 (04/2026)


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