Medizin & Wissenschaft

Praxissoftware aus der Cloud: bequem – aber auch sicher?

Lesezeit: 4 Minuten Quelle: Kassenärztliche Bundesvereinigung

Praxisverwaltungssysteme aus der Cloud können Wartung vereinfachen, ortsunabhängige Zugriffe ermöglichen und lokale Server entlasten. Gleichzeitig verarbeitet eine Arztpraxis besonders sensible Gesundheitsdaten. Wer einen Cloud-Dienst nutzt oder einen Wechsel plant, sollte deshalb nicht nur auf Funktionen und Preis achten, sondern auch auf Sicherheit, Datenschutz und Ausfallschutz.

Verantwortung lässt sich nicht vollständig auslagern

Ein professioneller Anbieter übernimmt viele technische Aufgaben. Die Praxis bleibt dennoch dafür verantwortlich, dass Patientendaten angemessen geschützt werden. Dazu gehören klare Zuständigkeiten, sichere Endgeräte und Zugänge sowie ein Team, das typische Angriffswege erkennt.

Die KBV nennt aktuelle Sicherheitsupdates, Schutz vor Schadsoftware und die Sensibilisierung des Personals für Phishing-Angriffe als zentrale Bausteine. Gerade gefälschte E-Mails oder Anmeldeseiten können technische Schutzmaßnahmen umgehen, wenn Zugangsdaten unbemerkt weitergegeben werden.

Was im Vertrag stehen sollte

Vor Vertragsabschluss sollten Praxen unter anderem klären:

  • Wie werden Datenschutz und Auftragsverarbeitung geregelt?
  • Wo und nach welchen Standards werden die Daten verarbeitet?
  • Welche Verfügbarkeit garantiert der Anbieter?
  • Welche Wiederherstellungszeiten gelten nach einer Störung?
  • Wie werden Sicherungskopien erstellt und getestet?
  • Wie schnell informiert der Anbieter über Sicherheitsvorfälle?
  • Wie lassen sich Daten bei einem Anbieterwechsel vollständig und nutzbar exportieren?

Unklare Formulierungen zu Ausfällen oder Datenrückgabe können später zum praktischen Risiko werden. Vereinbarungen sollten deshalb nicht nur technisch, sondern auch organisatorisch geprüft werden.

Auch die Arbeitsplätze bleiben Teil der Sicherheitskette

Eine sichere Cloud schützt nicht vor einem ungesperrten Praxis-PC, gemeinsam genutzten Passwörtern oder veralteten Browsern. Sinnvoll sind persönliche Benutzerkonten, abgestufte Berechtigungen und – sofern angeboten – eine Mehrfaktor-Authentifizierung. Zugriffe sollten auf das beschränkt sein, was Beschäftigte für ihre Aufgaben tatsächlich benötigen.

Regelmäßige Kurzschulungen helfen mehr als ein einmaliger langer Termin. Das Team sollte wissen, woran verdächtige Nachrichten zu erkennen sind, an wen ein Vorfall gemeldet wird und wie bei einem Systemausfall weitergearbeitet werden kann.

Ein Notfallplan gehört dazu

Praxen benötigen einen dokumentierten Ablauf für den Fall, dass das PVS vorübergehend nicht erreichbar ist. Dazu gehören erreichbare Ansprechpartner, offline verfügbare Notfallinformationen und ein Verfahren, um vorübergehend erfasste Daten später kontrolliert nachzutragen. Der Plan sollte regelmäßig überprüft werden.

Fazit

Cloudbasierte Praxissoftware kann sinnvoll sein, wenn Technik, Vertrag und Organisation zusammenspielen. Die entscheidende Frage lautet nicht nur „Ist die Cloud sicher?“, sondern: Sind Anbieter, Zugänge, Endgeräte und Mitarbeitende gemeinsam auf einen Störungs- oder Angriffsfall vorbereitet?


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Titelbild: Mit KI erstellt, OpenAI, 2026.


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